Mudershausen, Rhein-Lahn-Kreis

Wappen von Mudershausen

Entwicklungsgeschichte des Ortes

Nach der fränkischen Gauverfassung gehörten die Siedlungen des Aartals zum Niederlahngau und hier ist von einer „Markgenossenschaft“ Bonscheuer die Rede. „Mark“ war ein wirtschaftlicher Verband aus einer Reihe bestimmter Orte. Diese waren gemeinsam zur Nutzungen des weitausgedehnten Waldgebietes berechtigt. Zu dieser Mark gehörten nach einer Überlieferung von 1509 noch weitere Ortschaften: Berghausen, Dörsdorf, Eisighofen, Mudershausen, Rückershausen und Schiesheim, sowie Obernhausen, Neuhausen und Niedernhausen. Die Eisenhütte zu Gerolstein bei Langenschwalbach wurde mit den Eisensteinen von den Gruben Bonscheuer und zu Allendorf versorgt. Die Wäsche wurde im Dörsbach vorgenommen, und der Eisenstein teils von Fuhrwerken der Grube, teils von Einwohnern der umliegenden Orte abgefahren. Als im Jahre 1605 die Eisenerzförderung etwas zurückgegangen war, bittet ein Japhet Gunst von Hohenstein im Schreiben von 1608 den Landesherrn um Belehnung der Gruben.

Ab 1738 hatte die Gemeinde Mudershausen die Genehmigung erhalten, Kalk brennen zu dürfen, so dass die Ziegelhütte entstand.

1784 wurde es der Gemeinde untersagt, weiterhin über Holzrohre Wasser aus dem Brunnen außerhalb des Dorfes zu beziehen. In einem sogenannten Verwaltungsstreitverfahren wurde die Gemeinde veranlasst, trotz hoher Unkosten die bestehenden Holzrohre durch irdene zu ersetzen. Die Wasserversorgung sollte aber auch in den darauf folgenden Jahren weiterhin Probleme mit sich bringen.

Im Schuldienst sind 27 Lehrer namentlich nachweisbar. In der Zeit vor 1700 mussten die Kinder aus Dörsdorf, Eisighofen, Berghausen und Mudershausen in die Kirchspielschule nach Dörsdorf gehen. Ab 1700 war die Schule im Obergeschoss des alten Backhauses. Nach dem Dorfbrand von 1773 wurde durch Umbau des Backhauses ein besseres Schulgebäude errichtet. Von 1804 bis 1820 entstand eine Musterobstbaumschule. Die Schulchronik berichtet der Nachwelt über das damalige Schulwesen. 1831 entstand aufgrund der wachsenden Schülerzahl eine modernere Schule.

Unter dem vorletzten der 27 Lehrer, Willi Herrmann, wurde noch eine vierte und letzte Schule gebaut. Diese wird nach Umbauten heute als Dorfgemeinschaftshaus genutzt.

Viele Menschen aus Mudershausen und Bonscheuer wanderten nach Amerika aus. Das Gesellschaftsleben der verbliebenen Mudershäuser spiegelt sich im Vereinsleben wieder. So wurde 1855 in Mudershausen der Männergesangsverein „Eintracht“ gegründet und in Bonscheuer spielte die hierzulande bestens bekannte „Waldkapelle“ auf Blechinstrumenten ihre Weisen.

Doch das neue 19. Jahrhundert bringt einen Wandel, das Maschinenzeitalter beginnt. Durch eine Drahtseilbahn wird das Eisenerz aus der Ziegelhütte an den Bahnhof in Zollhaus gebracht, wo die Nassauische Kleinbahn ab 1901 endlich die langersehnte Querverbindung von der Aar über den Einrich zum Rhein darstellte. Die Aartalbahn lief schon seit 1869/70 von Limburg nach Wiesbaden über Zollhaus. Im Bereich Hohlenfels gab es eine weitere Seilbahn für den Kalktransport (der Bogen steht heute noch an der Auffahrt zur Burg Hohlenfels). Diese Bahn ist über den Testbetrieb hinaus nicht genutzt worden.

Seit ca. 100 Jahren ist Mudershausen weit über seine Grenzen hinaus wegen seiner guten Obstlagen bekannt. Der Obst- und Gartenbauverein kann auf das Gründungsjahr 1954 verweisen, existierte aber bereits vorher.

Als am 28. November 1940 Bomben auf die Grube Zollhaus abgeworfen wurden, kamen die Mudershäuser zum ersten Mal mit dem Krieg in Verbindung.